Die Schülerinnen und Schüler der Modeklassen werden die zukünftigen Leistungsträgerinnen und -träger der Modebranche sein. Deshalb ist eine grundlegende Ausbildung in Modeethik angesichts des Ressourcenverbrauchs und damit des Beitrags der Modeindustrie zum Klimawandel für unseren Planeten Notwendig für das Überleben. Heuer haben die Studierenden des dritten Kollegs einen umfassenden Überblick über die sozialen und umweltschädigenden Faktoren entlang des Lebenszyklusses der Kleidung bekommen; vom Design über die Produktion bis hin zum Tragen, Waschen und Trocknen der Kleidungsstücke sowie der Entsorgung oder dem Recycling derselben. Sie waren aufgerufen, Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme zu recherchieren bzw. zu entwerfen. Den Abschluss bildete ein Vortrag und ein Gespräch mit Gertrude Klaffenböck, der Projektkoordinatorin der Clean Clothes-Kampagne in Österreich.
Sie berichtete aus erster Hand über die gegenwärtige Situation in der Modebranche, von Misserfolgen als auch Fortschritten auf dem Weg zu einer ethisch einwandfreien Mode.
Fashionethik: Die verlorene Verbindung zur Kleidung und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt
Eine Meinung von Anne Klopp (Fred)
Eines der wichtigsten Dinge, die ich über Mode gelernt habe, ist, dass es keine Kleidung gibt, die nicht von Menschenhand berührt wurde. Jeder Stoff, jede Naht, jedes Kleidungsstück, das wir tragen, wurde von einer Person gefertigt. Doch wenn wir in einem Geschäft wie H&M stehen, umgeben von unzähligen Kleiderstapeln, scheint diese Realität vollkommen entfremdet. Es ist schwer vorstellbar, dass hinter jedem einzelnen Kleidungsstück Menschen stehen – oft Arbeiterinnen und Arbeiter in Ländern des globalen Südens, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. In vielen Fällen werden diese Menschen nicht angemessen bezahlt, oft sogar ausgebeutet. Ihre Löhne reichen kaum zum Überleben, die Arbeitszeiten sind lang, und die Sicherheitsstandards in den Fabriken oft katastrophal. Wir haben die Verbindung dazu verloren, dass das, was wir tragen, von jemandem hergestellt wurde – jemandem, der möglicherweise jeden Tag ums Überleben kämpft. Diese Verbindung muss dringend wiederhergestellt werden. Wir müssen uns bewusst machen, dass unsere Kaufentscheidungen direkte Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen haben. Doch nicht nur die sozialen Aspekte sind problematisch, sondern auch die Umweltschäden, verursacht durch die Modeindustrie. Die Produktion von Kleidung gehört zu den umweltschädlichsten Industrien der Welt. Riesige Mengen an Wasser werden für die Herstellung von Baumwolle verbraucht, giftige Chemikalien gelangen durch Färbeprozesse in Flüsse und Meere, und synthetische Stoffe setzen beim Waschen Mikroplastik frei, das in unsere Ökosysteme gelangt. Hinzu kommt der immense Textilabfall: Billige Fast-Fashion- Kleidung wird oft nur wenige Male getragen und dann entsorgt – viele dieser Kleidungsstücke landen auf riesigen Mülldeponien in Afrika oder Asien, wo sie kaum abgebaut werden können. Die Modeindustrie muss sich verändern – und wir als Konsumenten tragen eine Verantwortung. Nachhaltigere Materialien, faire Löhne und ein bewussterer Konsum sind der Schlüssel, um Mode ethischer und umweltfreundlicher zu gestalten. Nur wenn wir wieder verstehen, dass hinter jedem Kleidungsstück Menschen und Ressourcen stehen, können wir einen echten Wandel bewirken.